Man kann mich manipulieren.
Das möchte ich nur einmal festgestellt haben. Noch vor wenigen Sekunden wollte ich darüber schreiben, wie gut es mir doch eigentlich geht und dass das Leben ein ewiger Kreis ist, sich alles wiederholt und blah. Dann sehe ich ein Bild von Fleckchen, es reißt mich runter, im nächsten Augenblick läuft die Musik weiter, die nächste aufbauende Zeile. Gleichzeitig hätte ich Lust auf einen richtigen Stimmungstöter. Na ja, so auch wieder nicht. Ein bisschen Melancholie. Aber ich lasse es. Ich weiß, es tut weh.
Und eigentlich?
Das Beste, was mir im Leben passiert ist … es sah letztes Jahr noch so düster aus. Und jetzt?
Das Glas ist halbvoll, wenn es zuvor leer war und bis zur Hälfte aufgefüllt wurde.
Das ist doch jetzt der Fall. Noch vor einem Jahr … war ich in der Zeit nicht noch in der Klinik? Hatte ich nicht noch vor 12 Monaten eine so heftige Beziehungskrise erlebt, die alles (na ja, fast alles) Nachfolgende in den Schatten stellte? Hatte ich nicht das einzig intelligente Wesen meiner pupertären Welt schmerzlichst vermisst gehabt?
Das Glas ist halbleer, wenn es zuvor voll war und bis zur Hälfte ausgeleert wurde.
Und all das davor … warum mit den goldensten Zeiten vergleichen? Warum immer nostalgischer werden, immer mehr die eigene Vergangenheit glorifizieren? Vertraue ich zu wenig in die Zukunft? Das Glas war nie lange voll, nie lange leer.
Jetzt vermisse ich Oma. Und Fleckchen. Und Charlie. Und Streuner. Und generell meine Kindheit und die goldene Zeit. Ich fühle mich nicht alt, nur nicht … glücklich. Alles ist schwierig und kompliziert. Die Helden des Alltags sind nur Menschen mit Fehlern und Schwächen, die ich lange genug nicht gesehen hatte, um zu zu hoch zu schätzen, als dass ihre Fehler mich jetzt nicht entsetzlich enttäuschen könnten. Ich schreibe ohne es öffentlich machen zu wollen. Möchte öffentlich machen ohne zu schreien.
Luxusprobleme. Oder nicht? Ich verstehe so wenig von dem, was ich will, was ich wollte. Diese ewige Sehnsucht. Nie ganz ausgefüllt sein. Und dennoch kann ich inne halten, den Moment genießen … nie aber ohne immer im Hinterkopf zu wahren, dass er vergehen wird, dass alles vergänglich ist, nichts hält.
Aber es kann zurückkommen. Sie ist zurückgekommen. Ich bin glücklich. Immer noch das Loch, aber das ist immer da, das kann nie gestillt werden. Hunger nach … ich weiß nicht was.
Und jetzt? Ein fröhliches Lied hinein, Hakuna Matata, einmal Enrico anstarren und das Mantra “Ich habe so ein Glück mit ihm” wiederholen, bis die Wut vom Abend verpufft ist, … und dann glücklich und zufrieden einschlafen? Alles ist möglich. Man kann mich manipulieren. Und ich kann es auch.
